Die Felduntersuchungen von TAP: Ermittlung des genauen Pipelineverlaufs in Nordgriechenland
TAP hat große Fortschritte bei der Detaillierung der Pipelineroute im nördlichen Griechenland erzielt. Mit der Felduntersuchung zur Ermittlung der Route für die TAP-Gaspipeline, die die geringsten sozialen Folgen sowie die wenigsten Beeinträchtigungen für die Umwelt und das Kulturerbe nach sich zieht, wurde im November 2010 begonnen.
In dieser Ausgabe möchten wir Ihnen einen Einblick dazu geben, wie eine Untersuchung zur Ermittlung des optimalen Verlaufs der Pipeline vonstattengeht.
TAP-Routenuntersuchungen
2009 begann TAP als Vorbereitung auf die detaillierte Prüfung der Umweltverträglichkeit und der sozioökonomischen Auswirkungen, die den strengen Leistungsstandards der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) genügen muss, mit der Konkretisierung der Pipelineroute.
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Die Untersuchung zur Ermittlung des optimalen Verlaufs erfordert viele Monate der Planung und Vorbereitung, bevor mit der eigentlichen Arbeit an der Route begonnen werden kann. Alles beginnt mit einer Untersuchung am PC im Büro, wo diverse Optionen für den Routenverlauf festgelegt und analysiert werden.
Diese Festlegung geschieht auf Basis einer Reihe von Quellen, darunter sowohl topographische Karten und Satellitenbilder als auch öffentlich zugängliche Informationen zu Gemeinden, Schutzgebieten, Kulturerbe-Stätten, Nutzungsflächen, Industriegebieten, Straßen, Stromleitungen und zukünftigen Bauvorhaben.
Zwischen dem 21. und 28. November 2010 beratschlagte eine aus 35 Experten bestehende Gruppe, ob sich ihre Erstvorschläge möglicher Routenverläufe in Griechenland mit den vorgefundenen Gegebenheiten in Einklang bringen lassen. Das Untersuchungsteam bestand aus einem internationalen Team von Ingenieuren, Geologen, Soziologen, Archäologen und Umweltschutzexperten. Es bestand aus Mitgliedern des TAP-Teams und Beratern aus Deutschland, Österreich, Italien, Spanien und Großbritannien sowie aus lokalen Experten aus Griechenland. Diese Zusammenführung unterschiedlicher Ausrichtungen und Nationalitäten stellt sicher, dass international bewährtes Wissen mit Kenntnissen über die lokalen Gegebenheiten zusammentrifft.

Die Aufgabe des Untersuchungsteams lag in der Inspektion fünf möglicher Pipelinekorridore im Norden Griechenlands, die zusammen ca. 500 km lang waren.
Das Basislager des Teams während der ersten Phase der Vor-Ort-Untersuchungen wurde in der schönen Stadt Kastoria am gleichnamigen See aufgeschlagen. Tagtäglich brach das Team bereits bei Sonnenaufgang auf, um das Tageslicht möglichst lange nutzen zu können, teilte sich in kleine Expertengruppen auf und gingen eigenständig ihren spezifischen Aufgaben, Ablaufplänen und Agenden nach.
Die Methodik einer Pipelineuntersuchung ist einfach – man geht oder fährt entlang der möglichen Route und zeichnet jede Einzelheit auf, einschließlich der Geländeveränderungen, Kulturstätten oder anderen wichtigen Sachverhalte. Gründlichkeit und Detailgenauigkeit sind dabei unverzichtbare Arbeitsvorgaben.
Für jeden Wissenschaftler im Team besteht der Arbeitstag aus dem Sammeln von Proben, Fotografieren, Aufzeichnen von GPS-Koordinaten und Beobachten.
Obwohl das Wetter der Erkundung nicht immer förderlich ist, ist diese Forschungsarbeit von essenzieller Bedeutung für die Projektplanung. Das Team schaut sich alles doppelt und dreifach an, um das örtliche Gelände und das Umfeld in seiner Gesamtheit zu erkunden.
Was ist technisch machbar?
Während der fünf Untersuchungstage bestand die Hauptaufgabe des Teams darin, kritische Stellen zu besichtigen und potenzielle Schwierigkeiten auf der künftigen Route zu identifizieren.
Die technische Gruppe, die vor allem aus Pipelineingenieuren bestand, hatte die Absicht, einen passenden Korridor für die Durchführung der Pipeline zu finden. Wie wichtig es ist, eine Stelle vor Ort selbst zu sehen, sollte nicht unterschätzt werden. Während der Erkundung einer Gegend in der Nähe der Stadt Veria entdeckte das Team einen neu erbauten Parkplatz, an dem eigentlich eine leere Ackerfläche hätte sein sollen.
Christian Tietze, Führungsingenieur der Untersuchung, erklärte: „Offensichtlich hat in den letzten beiden Jahren im Bereich um diesen Standort eine rege Bautätigkeit stattgefunden. Nicht nur der Parkplatz, auch viele neue Gebäude waren errichtet worden. Diese Veränderungen tauchen bisher auf keiner der bestehenden Karten auf.“ Auf Basis dieser Entdeckung beschloss das Team, dass dieser Bereich gemieden werden sollte.
„Eine der von TAP gestellten technischen Anforderungen ist ein freier Bereich von 30 m Breite auf beiden Seiten der Pipeline, um ihre Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten. Das bedeutet, dass TAP derart dicht besiedelte Bereiche meiden muss“, sagte Tietze.

Transportlogistikexperten waren ebenfalls in der Gruppe und analysierten die bestehenden Straßen und die Infrastruktur, um herauszufinden, ob genügend freie Flächen für Zufahrtsstraßen, Zeltlager und Rohrlager vorhanden sind. Diese Erwägungen spielen eine entscheidende Rolle, sobald das Legen der Pipeline beginnt, weil das Projektteam Baumaterialien, Ausrüstungen und Arbeiter an die Baustelle transportieren muss.
Als die Untersuchung fortgesetzt wurde, inspizierte die Gruppe den Braunkohleabbau im Ptolemaida-Becken, das zu den größten Braunkohlelagerstätten der Welt gehört und das 80 % des Energieverbrauchs in Griechenland abdeckt. Das Untersuchungsteam entdeckte, dass die Abbaufläche während des letzten Jahres viel stärker als erwartet ausgedehnt worden war und zukünftig noch weiter expandieren soll. Dies bewog das Projektteam zu der Entscheidung, den Bereich entweder großräumig zu umgehen oder ganz zu vermeiden. Wieder war der Vor-Ort-Besuch von entscheidender Bedeutung für den Entscheidungsprozess.
Gleichzeitig untersuchte eine Gruppe von Geologen die umgebenden Bergketten nach aktiven Verwerfungen, bestimmten die Stabilität der Hänge und überprüften, ob größere seismische Risiken bestanden. „Während dieses Teils der Untersuchung verglichen wir Satellitenbilder mit dem Ist-Zustand des Geländes und stellten die so genannte ,Ground Truth’ fest“, erklärte Harris Krannis, ein griechischer Geologe.
Prüfung von Umfeld und Kulturerbe
Laut Ferran Climent, einem katalanischen Umweltexperten, sind Schutzgebiete und Naturschutzgebiete in Griechenland auf den bestehenden Karten bereits genau verzeichnet. „Wenn wir auf ein einzigartiges Habitat oder ein Natura 2000-Gebiet stoßen, brauchen wir die Untersuchung gar nicht fortzusetzen. Wir sollen solche Bereiche komplett vermeiden”, erklärte Climent.
Daraus folgt, dass die nicht klassifizierten Bereiche einer Karte die meiste Aufmerksamkeit erfordern, wobei wir auch hier wieder die Bedeutung der lokalen Experten hervorheben müssen, die mit der hiesigen Tier- und Pflanzenwelt vertraut sind. Anastasia Stefanaki, Pflanzenexpertin und Doktorandin der Botanik an der Aristoteles-Universität in Thessaloniki, kennt die Gegend besonders gut. „Wir haben hier einige seltene Wälder gefunden, die nur in diesem Teil Griechenlands zu finden sind. Meine Aufgabe ist es, die Koordinaten und eine Beschreibung der Wälder in unsere Karten einzutragen, damit wir wissen, dass dies eine Hürde für die Route sein kann.“
Im Lauf der Untersuchung sind die TAP-Archäologen ebenfalls auf einen kritischen Sachverhalt gestoßen, der mit dem reichen kulturellen Erbe dieser Region zusammenhängt. Das Expertenteam identifizierte und dokumentierte Baudenkmäler, Kirchen und historisch wichtige Orte und traf auch mit Vertretern der lokalen Behörden zusammen, die mit der Bewahrung des Kulturerbes der Gegend betraut sind. Sie konnten wertvolle Informationen zu den Standorten beisteuern, die noch nicht vom griechischen Kulturministerium aufgezeichnet worden waren und daher auch noch nicht auf den Karten verzeichnet sind.
Frühzeitiger Dialog mit der Bevölkerung
Als Ingenieure, Umweltschützer und Kulturerbeexperten die Umgebung untersuchten, suchten die Soziologen und Experten für die Einbindung von Interessengruppen die Dörfer auf, um den Kontakt mit den Einheimischen zu suchen. Sie trafen sich mit den Bezirksregierungen, Landkreisen, Bürgermeistern, Gemeindeverantwortlichen, Geschäftsleuten und den NROs in Kozani, Veroia, Filota und Kastoria.
Die Absicht des Teams war es, zuerst das Projekt vorzustellen und die vorausgewählten Routenverläufe zu erläutern. Anschließend wurden die Reaktionen der dort wohnenden Menschen darauf und wie sich deren Lebensgrundlagen ihrer Meinung nach durch das Projekt verändern könnten erfasst und gesammelt. Das Untersuchungsteam stellte viele Fragen zu den Zukunftsaussichten der Dörfer: „Haben die örtlichen Behörden den Bau von Schulen, Krankenhäusern oder neuer Infrastruktur in der Gegend geplant?“, „Welche Gebiete sollte die zukünftige Pipeline umgehen, um deren Entwicklung nicht zu gefährden?“, „Welche Erwartungen haben die Einheimischen in Bezug auf das bevorstehende Bauvorhaben?”. Sie baten auch um Unterstützung, z. B. um Zugriff auf lokale Daten, zur Beseitigung von Informationslücken zu wichtigen Stellen und in Statistiken.
Dr. Kai Schmidt Soltau, zuständiger TAP-Manager für die Prüfung der Umweltverträglichkeit und der sozioökonomischen Auswirkungen sowie für Grunderwerb und Sozialverantwortung des Unternehmens, erinnert nochmals an die essenzielle Bedeutung dieses Dialogs. „Vor 20 Jahren fürchteten sich die meisten Unternehmen vor der Einbindung von Interessengruppen. Heute ist es üblich, dass bei wichtigen Energieprojekten alle Interessengruppen eingebunden werden und ihre Absichten erläutern. Es ist sehr wichtig, die Menschen nach ihrer Meinung zu fragen, und zwar lange bevor irgendwelche Bauentscheidungen getroffen werden.“
Gleichzeitig traf sich George Hatzidakis, der griechische Medienbeauftragte von TAP, mit den Herausgebern der führenden Zeitungen in Kastoria. Die Journalisten waren überrascht über die proaktive Herangehensweise und die Offenheit von TAP. Tryfonas Polygiannis, Herausgeber der Zeitung Nea Kastoria, war besonders interessiert an Informationen zum Projekt. „Das sind wichtige Nachrichten für unsere Stadt, deshalb möchten wir mehr Informationen von TAP über alle Planungen haben.“
Das Untersuchungsteam plant einen weiteren Besuch in diesem Jahr zur Ergänzung der Ergebnisse
Die erste Projektphase brachte große Mengen an Einzeldaten über positive und negative Aspekte des westlichen Abschnitts des Pipelinesystems, wodurch das TAP-Team die Realisierbarkeit von vier der fünf Routenoptionen bestätigen konnte. Eine mögliche Route wurde gestrichen, da diese in ihrem Verlauf eventuell zu einer Störung des Braunkohleabbaus führen könnte.
Im Februar 2011 möchte TAP das Team für eine zweite Untersuchungsphase entsenden, um dann den östlichen Abschnitt des Pipelinesystems zu untersuchen. Auf Grundlage dieser Ergebnisse bekommt das TAP-Management einen entsprechenden Einblick in den Verlauf des Korridors, um im März die beste Route auswählen und im April die Ergebnisse mit den Behörden und den Interessengruppen abschließend auswerten zu können.
Gleichzeitig liefert der Prozess der Prüfung der Umweltverträglichkeit und der sozioökonomischen Auswirkungen (ESIA) das Feedback der Behörden und anderer Interessengruppen, welche Auswirkungen genauer untersucht werden müssen, woraufhin das Team den Scoping-Bericht entwickeln und validieren kann.




